Bericht zur Informationsveranstaltung - Standortsuche Mobilfunkmast

 

Zusammenfassung zur Info-Veranstaltung am 07.09.20, um 19.00 Uhr, zur Thematik „Standortsuche – Mobilfunksendemast“ in der  Mehrzweckhalle Oberpframmern.

 

Aufgrund der Corona-Verordnung  und der damit verbundenen Sicherheitsbestimmungen wurden alle Besucher in eine Liste mit Wohnortangabe und Telefonnummer eingetragen und auf die Hygienemaßnahmen (Tragen einer Mund-Nasenschutzmaske) hingewiesen. Es waren 50 Personen anwesend.

 

Bgm. Andreas Lutz eröffnet den Info-Abend und gibt einen kurzen Überblick zur Sachlage.

 

Die Dt. Telekom ist auf die Gemeinde zugekommen und hat mitgeteilt, dass ein weiterer Ausbau von Mobilfunkanlagen mit GSM/UMTS/LTE Technik notwendig ist, um auch die westlichen Ortsteile der Gemeinde mit einem ausreichenden Funk-Netz versorgen zu können. Die Gemeinde wird diesbezüglich informiert und eingeladen, an einer Standortsuche im Rahmen des Bayerischen Mobilfunkpaktes II mitzuwirken, macht aber auch unmissverständlich klar, dass, sollte von Seiten der Gemeinde kein akzeptabler Vorschlag gemacht werden, die Dt. Telekom selbst nach einen geeigneten Standort (bevorzugt Dachantenne) suchen wird.

Im Gemeinderat hat man sich daher entschieden, sich hier von Herrn Dipl.-Ing. Hans Ulrich, als unabhängiger Fachmann, beraten zu lassen und alternativ mögliche Funkmast-Standorte erarbeiten zu lassen, die sowohl die Immissionsbelastung der umgebenden Nachbarn als auch die Versorgungsleistung berücksichtigen sollen.

Herr Ulrich wurde beauftragt, für die Gemeinde fünf alternative Standorte für einen möglichen Mobilfunkmasten/Antenne nach den o.g. Bedingungen zu suchen. 

 

Bgm. Lutz übergibt das Wort an Herrn Dipl. Ing. Hans Ulrich, vom unabhängigen Gutachterbüro „Funktechanalyse“. 

 

Herr Ulrich begrüßt die Besucher und geht in seiner Präsentation u.a. ausführlich auf nachfolgende Punkte ein:

 

  • Vorstellung seiner Person und Aufgabengebiet des Gutachterbüros.
  • Gesetzliche Bestimmungen, die die Einflussnahme der Gemeinden bei der Standortsuche betreffen.  Tenor: „Es darf keine Zumutung für Netzbetreiber sein“
  • Lizenzverpflichtung für die Staatsstraßen bis 2024. Die Bundesnetzagentur hat den Netzbetreibern die Verpflichtung auferlegt, bis 2024 alle Staatsstraßen mit einer ausreichenden Netzstärke abzudecken. Auch dies muss mit berücksichtigt werden.
  • Festgesetzte StrahlenGrenzwerte für 800/900 MHz im Vergleich zu anderen Ländern:
    Deutschland 40 V/m =Volt pro Meter
    Zum Vergleich: Schweiz 4,0 V/m, Indien 13 V/m
  • Technische Entwicklung und deren Nutzungsbereiche von 1G bis 5G. Wobei es sich ab der 3G Technologie um ein sog. Gleichwellennetz handelt. Damit geht einher, dass damit die mobilen Netze wesentlich mehr Daten transportieren können, die Funkstandorte aber auch exakter geplant werden müssen, um Interferenzen und damit lokale Kapazitätseinbrüche zu vermeiden.
  • Zur 5G Technologie – Die Strahlenbelastung ist zwischen 4G und 5G bei gleicher Beanspruchung der Netze ähnlich. 5G ist keine komplett neue Technologie, wie oft fälschlich vermittelt, sondern die fließende Weiterentwicklung der 4G Technik. 5G kann dem örtlichen Bedarf besser angepasst werden als 4G.
  • Die Gemeinde hat nach allem, was die Anwälte sagen, übrigens kein Mitspracherecht, ob der neue Sendemasten mit der neuen 5G Technologie ausgestattet wird oder nur mit 4G. Die Dt. Telekom unterstützt 5G.

Folgende Standorte werden von Seiten der Dt. Telekom favorisiert.

Standort 1:      Alte Bücherei (A05) in der Siegertsbrunner Straße – bester Standort

Die nachfolgenden Standorte fallen in dieser Reihenfolge ab.

Standort 2:      Wertstoffhof (A02)

Standort 3:      Stierberg (A06) – dieser Standort wurde von Seiten der Telekom noch dazu  genommen.

Standort 4:      Feuerwehr (A01)

Standort 5:      Rathaus (A04)

 

Die einzelnen standortspezifischen Auswertungen durch Herrn Ulrich sind um den

Standort 6: Münchener Straße - neues Gewerbegebiet (A03) erweitert worden und können im Detail dem beiliegenden Immissionsgutachten (s. unten)  entnommen werden.

 

Gegenüberstellung der einzelnen Prognosewerte am Immissionspunkt mit einer spezifischen Konfiguration (s. hierzu die Abbildungen vom Immisionsgutachten).

  • A01 (Feuerwehr) – 2,2 V/m
  • A02 (Wertstoffhof) – 1,9 V/m
  • A03 (Gew.Geb. Münchener Str.) 1,4 V/m
  • A04 (Rathaus) – 2,9 V/m
  • A05 (Alte Bücherei) – 4,0 V/m
  • A06 (Stierberg) – 2,5 V/m

In einer Grafik wird aufgezeigt, dass  der Dachstandort „Alte Bücherei“ mit nur einem Betreiber aus Sicht der  Immissionsschutzwerte bereits fast so hoch ist, wie bei den anderen Standorten mit Masten und mehr Antennen.

 

 

 Weitere wichtige Informationen:

  • Beim Bau eines Sendemastens muss von Gemeinderatsbeschluss bis Fertigstellung mittlerweile mit 2 - 3 Jahren gerechnet werden.
  • Ein Sendemast (egal ob Gitter oder Betonausführung) wird bei den Standorten Wertstoffhof, Feuerwehr oder Rathaus
    30 m hoch, beim Standort Stierberg genügt eine Höhe von 25 m.
  • Die Dachantenne auf der Alten Bücherei hätte nach dem Wunsch der Telekom eine Höhe von ca. 8 m über Dach. Das Gebäude selbst hat eine Firsthöhe von 9,95 m.

Eine Dachantenne kann meist nur von einem Anbieter/Betreiber genutzt werden. Das heißt, man muss mit weiteren Dachantennen rechnen, damit alle 4 Hauptanbieter (Telekom, Vodafone, O2 und 1 & 1) einen ausreichendes Funknetz anbieten können.

  • Dachstandorte sind verfahrensfrei umzusetzen (wenn ein Hausbesitzer bereit ist, sein Dach dafür zu vermieten).
  • Ein Sendemast kann in der Regel von 4 Anbietern genutzt werden.

 

Bei der anschließenden Diskussionsrunde wurden folgende Fragen gestellt:

 

Frage: Kann man den Sendemasten nicht im westlichen Waldgebiet aufstellen, ähnlich wie bei dem bereits vorhandenen Sendemasten im Südosten.

Antwort: Dies funktioniert leider nicht, da die hohen Frequenzen (Kapazitätsversorgung) nur eine Reichweite von ca. 1 km haben (diese werden bei der neuen Technologie eingesetzt). Die Datenübertragung wäre sehr gering. Niedrigfrequenzen, wie sie bei dem bestehenden Sendemasten verwendet werden, haben bei Indoor-Versorgung und Sichtkontakt eine Reichweite von ca. 3 km. Hinzu kommen größerflächige Interferenzen in der Übergangszone, da der versorgende Standort im Versorgungsgebiet das dominierende Signal aufweisen muss.

Frage: Welchen Standort würden Sie der Gemeinde vorschlagen?

Antwort: Die Entscheidung liegt bei der Gemeinde. Aus Sicht der Immissionsminimierung und der Nutzbarkeit durch mehrere Betreiber sind die Standorte Rathaus, Feuerwehr, Wertstoffhof und Stierberg zu favorisieren.

 

Frage: Im Gebiet um den Standort Stierberg ist ja künftig eine Bebauung geplant. Wurde das bei dem Gutachten bereits berücksichtigt?

Antwort: Bei der Erstellung eines Gutachtens wurde die dort geplante Bebauung  nicht berücksichtigt.  Die Gemeinde kann die Befeldung aus den Grafiken ablesen und die Ergebnisse  bei der Standortentscheidung mit heranziehen.

 

Frage: Wenn die neue 5G Technologie kommt, wird dann wieder ein neuer Standort gesucht?

Antwort: Anhand von einigen Folien wird die Entwicklung von 1G – 5G erläutert. Die Dt. Telekom wird den neuen Standort bereits mit 5G Technik bestücken. Ab der 4G Technologie ist die Übertragung von Musik und Videos in größerem Umfang möglich, was immer mehr genutzt wird.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass die Mobilfunk-Technologie an die örtlichen Bedürfnisse angepasst wird. Eine automatische Regelung sorgt dafür.

Vorhandene Sendemasten werden derzeit nach und nach mit sog.  5G-Zellen aufgerüstet. Bei einigen unserer Nachbargemeinden ist dies bereits geschehen.

Für das autonome Fahren ist die 5G Technologie nicht zwingend notwendig. Der neue Standort wird den Bedarf für längere Zeit decken. In die fernere Zukunft mit ggf. heute noch garnicht absehbarer Nutzung kann leider nicht geblickt werden.

 

Frage: Warum suchen wir überhaupt einen neuen Standort?

Antwort: Diese Frage müsste man an die Dt. Telekom stellen. Der bestehende Sendemast deckt Teile Oberpframmerns mit dem Frequenzbereich der Flächenversorgung (niedrige Frequenzen) ab. Telefonie und Breitbanddienste in kleinerem Umfang sind damit gut möglich, jedoch nur eingeschränkt in den westlichen Gemeindeteilen. Ein Aufrüsten mit neuer Technologie wird auch ohne Beteiligung der Gemeinde erfolgen. Versorgungsziele werden auch von der Bundesregierung vorgegeben.

 

Frage:  Wie kam es zu diesen Standort-Vorschlägen?

Antwort: Von  der Dt. Telekom wurde der Standort in der Ortsmitte vorgegeben. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dem Ing.-Büro Ulrich wurden weitere mögliche Standorte, die im Besitz der  Gemeinde sind, erarbeitet. Der Standort am Stierberg wurde von der Dt. Telekom noch als Vorschlag nachgereicht. Der Standort Gewerbegebiet wurde von Herrn Ulrich bei seinen Berechnungen noch mit aufgenommen.

 

Frage: Der Wert 2,1 V/m, was bedeutet das für die Gesundheit?

Antwort: Vom gesundheitlichen Aspekt der absoluten Höhe der Befeldung kann er nicht viel dazu sagen, da das nicht sein Aufgabengebiet ist. Sehr wohl aber zu Vergleichen zwischen verschiedenen Standortalternativen. Gegenstand der Begutachtung ist, Standorte zu benennen, welche die jeweils betroffenen Nachbarn weniger stark anstrahlen. Ein Standort, der die Nachbarn zu 50 % bestrahlt, kann anhand der Begutachtung gefunden und gegenüber einem Standort, der die Nachbarn mit 100 % bestrahlt, vorgezogen werden. Zum Vergleich aber: WLAN und schnurlose Telefonie im Haus verursachen ein Strahlungsfeld von 1 – 2 V/m. Hier kann jeder selbst dafür sorgen, dass die Strahlenbelastung verringert wird.

Wichtige Infos zur Vorsorge:  https://funktechanalyse.de/vorsorge/

 

 

Bürgermeister Lutz bedankt sich für das Interesse und den umfangreichen Ausführungen durch Herrn Ulrich. Er weist darauf hin, dass sich der Gemeinderat in der öffentlichen Sitzung am Donnerstag, den 17.09.20, um 19.00 Uhr, mit der Standortsuche Mobilfunkmast erneut berät und dann Beschluss gefasst wird. Die Sitzung wird voraussichtlich in der MZH abgehalten.

 

Herr Ulrich verweist darauf, dass das Protokoll eine zusammengefasste, verkürzte Information liefert. Verbindliche und vollständig dokumentierte Informationen siehe Immissionsgutachten Nr. 10-18-22 vom 10.09.2019.

Zum  Immissionsgutachten

 

Allgemeines zum Thema Vorsorge, Standortwahl/Gutachten, Grenzwerte, Strahlenbelastung und Funk/5G sind auf der Homepage des Ing.-Büros Hans Ulrich zu finden: https://funktechanalyse.de/

 

Wichtige Infos zur Vorsorgehttps://funktechanalyse.de/vorsorge/

 

Hier können von den Betreibern publizierte Netzabdeckungen eingesehen werden:

Telekom:
https://www.telekom.de/netz/mobilfunk-netzausbau?wt_mc=alias_301_start/netzausbau

Hier ist 5G derzeit voreingestellt.

Vodafone:
https://www.vodafone.de/hilfe/netzabdeckung.html

Die 5G-Abdeckung wird angezeigt, wenn man beim Smartphone-Symbol die anderen Technologien abwählt.

O2:
https://www.o2online.de/service/netzabdeckung/?teaser=1#netzabdeckung
Stand heute noch keine Anzeige einer 5G-Abdeckung.

 

Ende der Veranstaltung: 20.50 Uhr

 

 

 

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